Grußwort des Schirmherren
Landrat des Kreises Euskirchen, Herr Günter Rosenke
Der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker stellte vor einigen Jahren fest, dass die Menschen "für ihr Überleben kein Naturmuseum, sondern eine lebendige Natur benötigen". Er hatte Recht!
Das hat man gerade in unserer Region - der Eifel - berücksichtigt. Wir haben alles daran gesetzt, dass unsere einzigartige Natur nicht in einem Naturmuseum bewundert werden muss, sondern im großen Umfang lebendig erhalten bleibt. Es ist auf einen breiten gesellschaftlichen Konsens zurückzuführen, dass dazu bei uns Anfang des letzten Jahres der erste Nationalpark Nordrhein- Westfalens errichtetet werden konnte.
Die Eifeler sind stolz auf ihren Nationalpark, der die eigene Identität weiter verstärkt. Sie können außerdem stolz darauf sein, dass es im Park auch eine Menge zu entdecken gibt. Unser Nationalpark enthält ausgedehnte Hügellandschaften und unzählige Täler mit einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt. Seine verschiedenen Lebensräume sind Heimat vieler Tiere und Pflanzen, die im Lande Nordrhein-Westfalen einzigartig sind. Bisher konnten im Park ca. 80 Pflanzen- und ca. 160 Tierarten als gefährdete Arten der "Roten Liste" nachgewiesen werden. Ihre Existenz wird durch einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge garantiert.
Dies macht aber auch klar, dass die Besucher des Nationalparks leider nicht alle vorhandenen Pflanzen- und vor allem Tierarten zu Gesicht bekommen können. Schließlich benötigen gerade die Tiere zur optimalen Entwicklung eine vom Menschen ungestörte Umwelt.
Trotzdem haben nicht nur unsere Kinder, sondern auch wir Erwachsene ein Anrecht darauf, aus erster Hand zu erfahren, welche Lebewesen in unseren Wäldern heimisch sind. Häufig können gerade die Kinder der benachbarten Großstädte kaum noch die geläufigsten Wildtierarten voneinander unterscheiden.
Doch auch dafür ist gesorgt - hier setzt das Angebot des Wildgeheges Hellenthal ein. Die Anlage liegt in unmittelbarer Nähe des Nationalparks und erstreckt sich auf einer ca. 64 ha großen Fläche. Den meisten von Ihnen wird es durch Funk und Fernsehen, besonders wegen seiner bundesweit bekannten Greifvogelstation, ein Begriff sein. Doch die Station ist bei weitem nicht alles, was das Wildgehege zu bieten hat.
Neben unzähligen Tierarten, die zum Teil sogar gefüttert werden können, haben Rotwild, Schwarzwild, Mufflons, Wisente und vieles mehr hier ihr Zuhause gefunden. Vor allem aber "tanzt", "steppt" und "brummt" hier in Hellenthal der Bär! Damit meine ich nicht die zahlreichen Massen an Besuchern, die der Park alljährlich anzieht. Es sind die Bären "Siggi" und "Balu" des Geheges, die "brummen und steppen".
Ihnen werden seit Jahren von den Zuschauern besondere Sympathien entgegen gebracht. Als ich erfahren habe, dass gerade diesen beiden "Highlights" des Wildgeheges ein neuer Lebensraum geboten werden soll, habe ich sofort meine Schirmherrschaft über das Projekt zugesagt. Es ist schon eine Herausforderung, für die Tiere eine an das neueste Wissen der Tierhaltung angepasste Anlage zu konstruieren und sie auf einer großzügigen Fläche präsentieren zu können.
Denn es wird allzu häufig vergessen, dass gerade die Bären in der Vergangenheit zu den typischen Bewohnern der Eifel zählten und auf unseren Fluren bewundert werden konnten. Heute sind sie, wegen ihrer besonderen Gefährlichkeit, nicht mehr im Nationalpark anzusiedeln.
Doch die Nationalparkbesucher müssen nicht ganz auf Bären in freier Umgebung verzichten. Bei einem Besuch des Wildgeheges werden Sie nach Umsetzung der Pläne das Verhalten der Tiere auf dem neuen, nahezu sechsmal größeren Gelände naturnah und lebendig im Sinne des ehemaligen Bundespräsidenten beobachten dürfen. Dazu werden nach Realisierung auf so genannten Erlebnispfaden die besten Beobachtungsmöglichkeiten geboten.
Gerade die vorgesehenen Schaufenster durch Mauerwerk und Holz sowie die zahlreichen Aussichtskanzeln werden dann zur Beobachtung einladen. In Zukunft wird man feststellen können, dass das Vorurteil des Bären, der ständig auf der faulen Haut liegt, nicht stimmt.Besonders im Frühling und Herbst entwickeln die Tiere eine außerordentlich hohe Aktivität und Freude an der Bewegung.
Meine Damen und Herren, Sie sehen, dass das Projekt eine sinnvolle Attraktion ist, die das Naturangebot des benachbarten Nationalparks sinnvoll abrundet. Der Wildpark Hellenthal wird mit diesem Angebot seinen Wert, gerade für die Region als traditionell erfahrenes Erholungs- und Feriengebiet, weiter steigern können. Das hilft der Wertschöpfung im Tourismus - nicht nur bei den Tagesbesuchern aus den umliegenden Ballungsräumen.
Ich kann deshalb nur an die Wirtschaft des Landes appellieren, das Projekt durch Sponsoring zu unterstützen - es ist eine gute Sache. Es würde mich dabei als Schirmherr der heutigen Veranstaltung besonders freuen, wenn ich in absehbarer Zeit einen Bericht über den Umzug in das neue Gehege im Programm des WDR verfolgen könnte.
Darum richte ich abschließend folgenden Appell an Sie: Helfen Sie als Sponsor mit, dass das neue Konzept ein voller Erfolg wird und dass die Besucher des Nationalparks auch den Bären in seiner angestammten Heimat auf freier Fläche bewundern können. Danke für Ihre Aufmerksamkeit!



