Die Bären - Siggi und Balu
War es noch vor wenigen Jahren das gefährliche und skurrile Lebewesen "Bär", das man sicher hinter Eisenstangen in einem Käfig gehalten bewundern konnte, so werden dem Bären heute sehr viel mehr Sympathien entgegengebracht. Die Betreiber des Wildgeheges Hellenthal beherzigen das neueste Wissen der Tierhaltung. Sie stellen sich selbst die Aufgabe, ihre Tiere nicht nur nach den so genannten Mindestanforderungen zu halten, sondern in weitaus größerem Maße den Lebensraum der Tiere in strukturierten Anlagen interessant zu gestalten. Zu diesem Zweck entstand nachfolgende Realisierungsskizze, um den neuesten Erkenntnissen in der Bärenhaltung Rechnung zu tragen. Die großzügige Erneuerung des Bärengeheges ist auch ein erster wesentlicher Schritt aus Sicht der Umweltbildung, diese großen Fleischfresser der Eifel im Rahmen des Nationalparks positiv präsentieren zu können.
Bären zählten zu den typischen Bewohnern der Eifel. Ihre Präsentation mit entsprechender Information über ihr Verschwinden und über ihren Schutz in den Gebieten, in denen sie noch Lebensräume finden, lässt sie im Gehege einerseits stellvertretend für viele unscheinbarere Tierarten zum Paten werden, andererseits entwickeln sie sich zu den Bären im Nationalpark. Ein Tier begeistert umso mehr, je interessanter sein Gehege gestaltet ist und je näher es dem Besucher kommen kann. In erster Linie sind es die Sympathieträger wie die Bären, die einen hohen Stellenwert in der Beliebtheitsskala der Besucher einnehmen und vor deren Gehege eine sehr hohe Verweildauer beobachtet wird. Dennoch spielen auch bei diesen Tierarten unterschiedliche Faktoren für ihre positive Akzeptanz beim Betrachter eine Rolle.
1. Erwartungshaltung des Besuchers
Der Besucher erwartet im Wildgehege Hellenthal erfahrungsgemäß keine Elefanten. Er stellt sich auf einen Ausflug in naturnahe Wälder mit vorrangig heimischer Tierwelt ein, die durch besondere Perspektiven naturnah präsentiert wird. Für einen klassischen Wildpark sind zweifellos die imposantesten Tiere die Bären.
2. Sympathieträger auf emotionaler Ebene
Besonders große, ästhetisch ansprechende oder "niedliche" (entsprechend dem typischen "Kindchenschema") Tiere gehören zu den besonderen Sympathieträgern eines Wildparks, wie die Tiere, die z. B. durch Märchen und Legenden über Jahrhunderte in positivem (z. B. Weißstorch) oder negativem Licht (so z. B. der Bär) mystifiziert wurden. Allen gemeinsam ist, dass sie die Emotionen des Menschen ansprechen und über diese Gefühlsebene zu besonderen Leittieren eines Wildparks werden.
3. Tiernähe
Die Nähe zum Tier spielt eine wesentliche Rolle für die Gunst des Besuchers. Tiere hinter Gitterstäben in dunklen Käfigen werden nur bemitleidet. Der Besucher meidet den Kontakt und beklagt die schlechte Tierhaltung. Durch eine geschickte Gehegeplanung kann allerdings sehr gut eine "scheinbare" Nähe aufgebaut werden, die den Stellenwert der gezeigten Tierart deutlich steigert.
4. Verhalten des Tieres
Besonders aktive Tiere sind um ein Vielfaches beliebter als Tiere, die im Verborgenen leben, nachtaktiv sind oder Verhaltensstörungen zeigen, die dem Besucher heute wohl bekannt sind. Sowohl durch das Wildparkmanagement mit gezielten Fütterungen oder z. T. persönlichen, spielerischen Kontakten zwischen Tierpfleger und Tier als auch durch eine abwechslungsreiche Gehegegestaltung kann die Aktivität der Tiere letztendlich zum eigenen Wohlbefinden gefördert werden.
5. Gehegestrukturen
In Kenntnis der Bedürfnisse eines Tieres fördern Gehegestrukturen wie beispielsweise Wasser- oder Sandflächen, Vegetationsstrukturen, Bodenmodellierungen und vieles andere mehr die Aktivität der Tiere. Dem Besucher das Tier aus unterschiedlichen Perspektiven (z. B. über Aussichtskanzeln oder Einsichten unter der Erdoberfläche etc.) zu präsentieren, fördert weiterhin die Attraktivität des Tieres in seinem naturnah gestalteten Lebensraum.



